Die Frage klingt einfach – ist sie aber nicht. Während die Biologie seit Jahrzehnten zwei Geschlechter kennt, tauchen in Medien und Sozialen Netzwerken Zahlen wie 72 oder 42 auf. Was steckt dahinter? Diese Übersicht trennt (naturwissenschaftliche Fakten) von sozio-kulturellen Konzepten und zeigt, wo tatsächlich Einigkeit besteht.

Biologisch: 2 (männlich, weiblich) · Sozio-kulturell: Unbestimmt, variiert · Facebook-Optionen: Über 70 · Offiziell: Keine feste Zahl

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Exakte Anzahl der Geschlechtsidentitäten ist wissenschaftlich nicht festgelegt (NetDoktor)
  • Zahlen wie 72 oder 42 stammen aus Social Media und Wikis, nicht aus Studien (NetDoktor)
3Zeitleisten-Signal
  • 2018: Einführung von „divers” im deutschen Personenstandsgesetz
  • Keine einheitliche EU-Regelung zur Anerkennung eines dritten Geschlechts
4Wie es weitergeht
  • Diskussionen über die juristische Anerkennung nicht-binärer Identitäten dauern an
  • Geschlecht als Spektrum wird in der Wissenschaft zunehmend diskutiert
Merkmal Wert Quelle
Biologische Geschlechter 2 Pro Medienmagazin
Geschlechtschromosomen weiblich XX Pro Medienmagazin
Geschlechtschromosomen männlich XY Pro Medienmagazin
Jahr der Einführung „divers” 2018 Esquire Deutschland
Juristische Optionen in Deutschland 4 (männlich, weiblich, divers, keine Angabe) NetDoktor
Häufig genannte Zahlen (Medien) 72, 42, 58, 60 Esquire Deutschland
Chromosomale Variationen XXY, X0, XX/XY-Mosaik Science.lu
Ebenen biologischer Geschlechtsbestimmung 4 (Fortpflanzung, Chromosomen, Organe, Hormone) Science.lu

Wie viele Geschlechter gibt es biologisch?

In der Fortpflanzungsbiologie werden genau zwei Geschlechter unterschieden: weiblich, das Eizellen produziert, und männlich, das Spermien produziert. Diese Unterscheidung basiert auf der Fortpflanzungsfunktion – ein biologisches Kriterium, das laut Pro Medienmagazin innerhalb der Biologie nicht umstritten ist.

Definition biologischer Geschlechter

Das biologische Geschlecht wird auf mehreren Ebenen definiert: durch die Geschlechtschromosomen (XX = weiblich, XY = männlich), die Geschlechtsorgane, die Hormone und die Fortpflanzungsfähigkeit. Science.lu beschreibt diese vier Ebenen als Grundlage der medizinischen Geschlechtsbestimmung.

Chromosomen und Hormone

Bei den meisten Menschen sind die chromosonalen und hormonellen Merkmale eindeutig ausgeprägt. Es gibt jedoch Ausnahmen: Menschen mit XXY-Chromosomen, nur einem X-Chromosom (Turner-Syndrom) oder XX/XY-Mosaiken. Science.lu betont, dass diese Variationen keine dritten Geschlechter begründen, sondern die Ausprägung eines der beiden biologischen Geschlechter beeinflussen.

Die Wissenschaftsjournalistin und Biologin Claire Ainsworth stellt klar: „Biologisch gibt es zwei Geschlechter – mit einem Kontinuum anatomischer und physiologischer Variationen.”

Apotheken Umschau

Die allermeisten Menschen sind aus biologischer Sicht eindeutig männlich oder weiblich, weshalb es laut Science.lu in der Praxis Sinn ergibt, die Geschlechter in zwei Kategorien zu unterteilen.

Was dies bedeutet: Die biologische Forschung arbeitet mit zwei klar definierten Geschlechtern, wobei Variationen zwar existieren, aber als Spektrum innerhalb dieser zwei Kategorien verstanden werden – nicht als eigenständige dritte Geschlechter.

Wie viele Geschlechter gibt es offiziell?

In Deutschland bietet das Personenstandsgesetz seit 2018 vier juristische Möglichkeiten für den Geschlechtseintrag: männlich, weiblich, divers und keine Angabe. Eine offizielle Zahl über zwei hinaus existiert jedoch nicht – die Einführung von „divers” ist lediglich eine zusätzliche Option, kein neues Geschlecht im biologischen Sinne.

Rechtliche Anerkennung in Deutschland

Deutschland erlaubt seit 2018 die Eintragung eines dritten Geschlechts im Geburtenregister unter der Bezeichnung „divers”. Esquire Deutschland berichtet darüber als Teil einer internationalen Entwicklung, wobei die genaue Ausgestaltung Ländersache bleibt.

Internationale Standards

In der EU gibt es keine einheitliche Regelung zur rechtlichen Anerkennung eines dritten Geschlechts. NetDoktor stellt fest, dass die juristische Landschaft international stark variiert – manche Länder erkennen gar keine dritte Option an.

Der Kern

In Deutschland gibt es vier juristische Geschlechtseinträge – aber keine offizielle Zahl, die eine bestimmte Anzahl von Geschlechtsidentitäten festlegt. „Divers” ist eine Möglichkeit für Menschen, die sich nicht in die Kategorien männlich oder weiblich einordnen möchten.

Was dies bedeutet: Die rechtliche Anerkennung in Deutschland geht über das binäre System hinaus, unterscheidet sich aber von einer wissenschaftlichen Kategorisierung. Es handelt sich um eine bürokratische Lösung für eine soziale Realität.

Welche Geschlechtsidentitäten gibt es?

Die Frage nach der Anzahl von Geschlechtsidentitäten lässt sich nicht mit einer festen Zahl beantworten. NetDoktor stellt klar: „Wie viele Geschlechter es im sozio-kulturellen Kontext gibt, lässt sich nicht in eine Zahl gießen.”

Bekannte Listen: 72, 60, 58, 42, 10

In manchen Medien ist die Rede von 72 Geschlechtern. Doch die Anzahl lässt sich nicht genau beziffern, da die Definitionen von Geschlechtsidentitäten im steten Wandel sind. Esquire Deutschland bestätigt, dass diese Zahlen aus sozialen Netzwerken und Online-Wikis stammen, nicht aus wissenschaftlichen Studien.

Beispiele wie skoliosexuell

Begriffe wie „skoliosexuell” oder „gynosexuell” bezeichnen sexuelle Orientierungen oder Anziehungspräferenzen – nicht Geschlechtsidentitäten. Die Verwechslung von Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung ist laut GenderDings ein häufiges Missverständnis.

„Das binäre System mit zwei biologischen Geschlechtern ist in vielen westlichen Gesellschaften heute veraltet. Es existiert eine Vielzahl geschlechtlicher Identitäten, die sich nicht einordnen lassen.”

Friedrich-Ebert-Stiftung

Zwischen den beiden biologischen Möglichkeiten „männlich” und „weiblich” gibt es ein ganzes Spektrum von Geschlechtsidentitäten, wie NetDoktor beschreibt.

Was dies bedeutet: Zahlen wie 72 oder 42 sind viral gegangene Medienbehauptungen, nicht wissenschaftlich fundiert. Die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten ist real – aber sie lässt sich nicht in eine einfache Zahl pressen.

Wie viele Geschlechter gibt es bei Facebook?

Facebook bot zeitweise über 70 Geschlechteroptionen zur Auswahl an. Dies ist jedoch ein technisches Feature eines Unternehmens und spiegelt nicht die biologische oder juristische Realität wider. Die Plattform hat ihre Optionen über die Jahre mehrfach angepasst.

Facebooks Geschlechteroptionen

Die Facebook-Optionen umfassten verschiedene Formen nicht-binärer Identifikationen. Dabei handelte es sich um freiwillige Selbsteintragungen in einem privaten Profil – nicht um eine staatliche Anerkennung.

Vergleich mit anderen Plattformen

Auch andere Plattformen und Dienste bieten mittlerweile erweiterte Geschlechteroptionen an. Die Auswahlmöglichkeiten variieren stark und orientieren sich nicht an einheitlichen wissenschaftlichen Standards.

Zur Einordnung

Die Anzahl der Optionen auf einer Plattform sagt nichts über die biologische Realität aus. Sie ist ein Gestaltungselement der Nutzeroberfläche – vergleichbar mit der Auswahl von Sprachen in einer App.

Was ist Geschlechtsidentität?

Die Geschlechtsidentität beschreibt das innere Wissen darüber, welches Geschlecht eine Person hat – unabhängig vom biologischen Geschlecht bei der Geburt. GenderDings definiert sie als geschlechtliches Selbstverständnis oder Selbsterleben.

Definition und Bedeutung

Die Geschlechtsidentität ist ein tief verwurzelter Teil des Selbst. Esquire Deutschland beschreibt sie als persönliche Wahrnehmung des eigenen Geschlechts, die von körperlichen Merkmalen losgelöst sein kann.

Unterschied zu biologischem Geschlecht

Alle Menschen haben eine Geschlechtsidentität – nicht nur diejenigen, deren Identität von gesellschaftlichen Erwartungen abweicht. LGBT* Wiki unterscheidet zwischen Cis-Identitäten (Übereinstimmung mit zugewiesenem Geschlecht) und Trans-Identitäten (Abweichung davon).

Nicht-binäre Identitäten können gleichzeitig, gemischt oder abwechselnd auftreten – sie sind nicht statisch. Nichtbinär-Wiki beschreibt diese Dynamik als Teil des Spektrums.

Was dies bedeutet: Geschlechtsidentität ist ein persönliches Konzept, das sich nicht in Zahlen fassen lässt. Sie ist ebenso individuell wie die Frage, wie Menschen sich selbst beschreiben möchten.

Bestätigt und unklar

Bestätigte Fakten

  • Biologisch zwei Geschlechter (männlich, weiblich) basierend auf Fortpflanzungsfunktion
  • XX = weiblich, XY = männlich als chromosomale Grundlage
  • Deutschland erlaubt seit 2018 den Geschlechtseintrag „divers”
  • Vier juristische Optionen im deutschen Personenstandsgesetz
  • Chromosomale Variationen existieren, begründen aber kein drittes biologisches Geschlecht

Was unklar bleibt

  • Exakte Anzahl der Geschlechtsidentitäten (keine wissenschaftliche Festlegung)
  • Ursprung und Bedeutung der Zahlen 72, 42, 58, 60
  • Ob „Geschlechter-Listen” in sozialen Medien wissenschaftlich fundiert sind
  • Internationale Harmonisierung der rechtlichen Anerkennung
Warum die Unterscheidung wichtig ist

Biologische Fakten und sozio-kulturelle Konzepte werden oft vermischt. Die Fortpflanzungsbiologie kennt zwei Geschlechter – doch die menschliche Erfahrung von Geschlecht ist vielfältiger. Beides nebeneinander bestehen zu lassen, ist ehrlicher als eine einfache Zahl zu präsentieren.

Verwandte Beiträge: Biologische Geschlechter: Wie viele gibt es?

Häufig gestellte Fragen

Gibt es wirklich 72 Geschlechter?

Nein. Die Zahl 72 stammt aus einer Facebook-Umfrage und zirkuliert in sozialen Medien. Wissenschaftlich gibt es keine festgelegte Anzahl von Geschlechtsidentitäten. Esquire Deutschland bestätigt, dass solche Zahlen nicht wissenschaftlich fundiert sind.

Was bedeutet drittes Geschlecht?

Das „dritte Geschlecht” ist ein Sammelbegriff für Identitäten außerhalb des binären Systems. In Deutschland ist „divers” seit 2018 eine juristische Option im Geburtenregister. Biologisch gesehen gibt es jedoch weiterhin nur zwei Geschlechter – mit Variationen innerhalb dieses Spektrums.

Wie viele Geschlechter erkennt der Staat an?

In Deutschland vier: männlich, weiblich, divers und keine Angabe. Eine einheitliche europäische Regelung existiert nicht. NetDoktor weist darauf hin, dass die Anerkennung international stark variiert.

Unterschied zwischen Geschlecht und Gender?

„Geschlecht” (sex) bezieht sich auf biologische Merkmale wie Chromosomen und Fortpflanzung. „Gender” bezeichnet das soziale und kulturelle Geschlecht – die Rolle, die eine Person in der Gesellschaft einnimmt, und ihre innere Geschlechtsidentität.

Sind skoliosexuell und gynosexuell Geschlechter?

Nein. Diese Begriffe bezeichnen sexuelle Orientierungen (Anziehung zu bestimmten Merkmalen), nicht Geschlechtsidentitäten. GenderDings erklärt den Unterschied zwischen Identität und Orientierung.

Wie viele Geschlechter gibt es weltweit?

Weltweit existieren verschiedenste kulturelle Konzepte von Geschlecht. Viele Gesellschaften kennen traditionell mehr als zwei Kategorien. Eine globale wissenschaftliche Zahl gibt es nicht – die Vielfalt ist kulturabhängig.

Ist die Zahl 42 Geschlechter korrekt?

Die Zahl 42 taucht in verschiedenen Internet-Diskussionen auf, hat aber keine wissenschaftliche Grundlage. Sie geht vermutlich auf eine Verwechslung mit anderen Konzepten zurück. NetDoktor bestätigt, dass sich sozio-kulturelle Geschlechtsidentitäten nicht in festen Zahlen ausdrücken lassen.

Für alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, ist die Trennung von Biologie und Identität entscheidend: Die Fortpflanzungsbiologie liefert Fakten – die Geschlechtsidentität ist eine persönliche Erfahrung. Wer beides vermischt, verpasst die Nuancen, die das Thema tatsächlich ausmachen.